Bücherwahn oder nicht alle Give-aways sind ein Grund zum Ärgern

Eigentlich mag ich es ja nicht, wenn ich in einer Buchhandlung ungefragt ein sogenanntes Give-away mit in die Tüte gesteckt bekomme. Lesezeichen habe ich schon genug und Kataloge mit als Buchempfehlungen getarnten Anzeigen will ich sowieso nicht durchblättern. Sollte ich doch mal bei »Thalia« ein Buch kaufen, was sehr selten passiert, sage ich meistens, also nicht nur wegen des Umweltgedankens, dass ich keine Tüte möchte. Möglicherweise bringt das die Buchhändlerin oder den Buchhändler, die offensichtlich bei den großen Ketten dazu verpflichtet sind, nicht nur zusätzlich Nonbooks sondern auch Werbezeug zu vertreiben, in Verlegenheit. Aber vielleicht ändert sich mal etwas an dieser Praxis, wenn sich nicht jeder immer alles unkommentiert in die Tüte stecken lässt.

IMG_20140303_084210Bei unserem diesjährigen Weihnachtseinkauf in einer kleinen Buchhandlung haben wir allerdings mal eine wirklich schöne Zugabe in die Tüte bekommen. Eine Überraschung sozusagen, denn wir bemerkten nicht, dass der Buchhändler es uns mit in die Tasche gepackt hatte. Es handelt sich um eine attraktive Ausgabe von Gustave Flauberts erster Erzählung »Bücherwahn«. Offensichtlich wurden diese kleinen Broschüren vom Hanserverlag 2012 innerhalb einer Werbeaktion für Buchhandlungen vertrieben, die das Ziel hatte, für neu übersetzte Klassiker der Weltliteratur zu werben. »Bücherwahn« übersetzte Elisabeth Edl neu, ebenso wie »Madame Bovary«. Ich finde es toll, dass auf diese Weise auch mal die wirklich anspruchsvolle und zeitaufwendige Arbeit der Übersetzerinnen und Übersetzer in den Blickpunkt rückt, das geschieht viel zu selten. Das Büchlein, ausgestattet mit kleinen Vignetten von Wolf Erlbruch, ist leider nur noch antiquarisch zu erhalten. Eine andere Ausgabe ist beim Waldgut Verlag zurzeit lieferbar.

»Bücherwahn« ist die erste Erzählung von Gustav Flaubert. Er verfasste sie als fünfzehnjähriger Schüler. Danach schrieb er wohl noch eine zweite Erzählung und zwanzig Jahre später den Jahrhundertroman »Madame Bovary«, der übrigens Anlass für einen Gerichtsprozess gegen den Autor war. Hintergründe sind hier in einem Artikel der »Zeit« von 1957! (wunderbar, dass jetzt auch so alte Artikel online sind) zu lesen.

Der Held der Geschichte, der spanische Antiquar und Buchhändler Giacomo, ist ein Bibliophiler. Ihm fällt das Lesen schwer aber es geht ihm auch gar nicht um den Inhalt der von ihm gesammelten Bücher und Handschriften. Nein, er liebt »die goldenen Lettern, die abgegriffenen Seiten, das stumpf gewordene Pergament.« Flaubert ließ sich zu dieser Geschichte durch einen Gerichtsbericht über einen Mann inspirieren, der sein Leben den schönen Büchern opferte. Allerdings geht man heute davon aus, dass diesem Artikel, der in einer Gerichtszeitung erschien, wohl eher keine wahre Begebenheit zugrunde lag. Wer Genaueres zur Handlung erfahren möchte, kann sich die ausführliche Besprechung auf durchleser anschauen.

Obwohl ich mich ja weitaus stärker für den Inhalt von Büchern interessiere als für ihre Ausstattung, habe auch ich bibliophile Neigungen. Die Insel-Bücherei oder die in den Sechzigerjahren, als in der DDR das Papier noch nicht so knapp war, erschienenen Tolstoi-Ausgaben auf Dünndruckpapier gefielen mir schon als Kind. Ich rieche auch gern mal in frisch gedruckte Bücher hinein, das erhöht oft zusätzlich meine Lust, ein Buch zu lesen. Nicht zuletzt würde ich auch gern noch mehr Bücher sammeln, Gesamtausgaben haben es mir zum Beispiel angetan, wenn Geld und Platz dafür ausreichend vorhanden wären.

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