»August« von Christa Wolf – Verlosung zum Welttag des Buches

Blogger schenken Lesefreude 2014 LogoZum Welttag des Buches möchte ich die Erzählung »August« von Christa Wolf verlosen. Auf ganz vielen anderen Blogs hatte ich das Banner »Blogger schenken Lesefreude« zuvor entdeckt und nun möchte ich mich mit dieser Verlosung auch an dieser schönen Aktion beteiligen. Nebenbei dient sie dazu, andere Blogs kennen zu lernen. Eine Liste der Teilnehmer kann man hier finden.

Wenn ihr das Buch gewinnen wollt, dann schreibt bitte bis zum 30. April 2014 einen Kommentar unter diesen Beitrag oder schickt mir eine Mail an die im Impressum angegebene Adresse. Ich freue mich auch, wenn ihr ein paar Zeilen darüber schreibt, warum euch das Buch interessiert. Das ist aber keine Bedingung, um teilnehmen zu können. Am 1. Mai werde ich dann meine Lostrommel anwerfen und die Gewinnerin oder den Gewinner ziehen.

Falls ich nächste Woche ein Internetcafé finde, werde ich auch noch mal einen Erinnerungspost direkt am 23. April, dem Welttag des Buches, schreiben.

Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen.

Mit diesem Satz beginnt der Roman »Kindheitsmuster« von Christa Wolf, der 1976 zum ersten Mal erschien. Das könnte auch über der im Jahr 2011, dem Todesjahr der Autorin, entstandenen Erzählung »August« stehen. Schon im autobiografisch geprägten Roman »Kindheitsmuster« trat der Junge August auf den letzten Seiten in Erscheinung. Er ist eine authentische Figur. Christa Wolf traf ihn 1946 in einem Sanatorium für Lungenkranke in Mecklenburg. Dort sollte die Siebzehnjährige ihre TBC-Erkrankung auskurieren. August, ein zehnjähriger Junge, der auf der Flucht aus Ostpreußen seine Mutter verloren hatte und dessen Vater als im Krieg vermisst galt, hatte sich das selbstbewusste Mädchen, welches es sogar mit der resoluten Oberschwester aufnahm, zur Beschützerin auserkoren. Er verließ das Sanatorium einige Monate nach ihr. Seine im Westen lebenden Tanten fanden August und er fuhr zu ihnen. August schrieb Christa Wolf zahlreiche Briefe, in denen er seine Dankbarkeit für seine »liebe Christa« zum Ausdruck brachte und mit »von Deinem liebsten Mann« unterschrieb. Sie antwortete ihm noch eine ganze Weile, dann verlor sich seine Spur in den turbulenten Nachkriegsjahren. Seine Briefe hatte sie jedoch aufbewahrt.

Die Erzählung »August« schenkte Christa Wolf ihrem Mann Gerhard zum 60. Hochzeitstag. In ihrer Widmung dazu schrieb sie zum Schluss:

Große Worte sind zwischen uns nicht üblich. Nur so viel: Ich habe Glück gehabt. C.

Sie begann die Erzählung zu schreiben als sie schon schwer krank war und sich nichts sehnlicher wünschte, als schmerzfrei und ohne Stöcke laufen zu können. Innerhalb von zwei Monaten verfasste sie den Text in einem Durchlauf am Computer, was sonst nicht ihre Art war. Warum Christa Wolf noch einmal gerade die Geschichte von August, den sie im Roman »Kindheitsmuster« eher distanziert beschrieb, aufgriff, hat sie leider nirgends vermerkt.

August, der buchstäblich mutterseelenallein in dem von den Patienten »Mottenburg« genannten Sanatorium ankam, konnte psychisch überleben, weil er hartnäckig nach einem Menschen suchte, der sein Bedürfnis nach Liebe und Schutz befriedigte und diesen in Christa Wolf (damals hieß sie noch Ihlenfeld) schließlich auch fand. Er hatte Glück gehabt.

»August« ist der einziger Text von Christa Wolf, den sie aus einer männlichen Perspektive erzählt. Der erwachsene Mann, schon im Rentenalter, erinnert sich darin an seine Zeit in der »Mottenburg« und vor allem an Lilo, die er nie vergessen hat. Heute kann er auf ein zufriedenes Leben zurück blicken, vielleicht auch deshalb, weil sein Kriegstrauma durch die Liebe eines anderen Menschen etwas weniger schwer zu ertragen war.

Christa Wolf, 1929 in Landsberg/Warthe (heute Gorzów Wielkopolski) geboren, zählt zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern ihrer Zeit. Ihr Werk ist in viele Sprachen übersetzt worden. In der DDR erwarteten die Leser Neuerscheinungen von Christa Wolf immer sehnsüchtig, denn die Autorin galt auch als eine Art moralische Instanz für den politischen Alltag im Land. Christa Wolf war zwar bis zum Juni 1989 SED-Mitglied (u. a. weil sie nicht aus der Partei austreten sondern ausgeschlossen werden wollte), aber schon nach ihrer kritischen Rede auf dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED und erst recht nach ihrem Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung war sie in »Ungnade« gefallen und wurde von der Stasi überwacht. Dennoch konnte es sich die DDR-Führung nicht leisten, eine auch international so angesehene Schriftstellerin einfach in den Westen gehen zu lassen bzw. ihre Bücher nicht zu veröffentlichen und machte ihr immer wieder Zugeständnisse. So bekam sie Reisen ins westliche Ausland genehmigt und in ihren Werken durften die Leser auch Kritik an der aktuellen DDR-Politik lesen. Da Christa Wolf in den letzten Jahren vor der Wende alle Bücher zuerst im Westen veröffentlichte, konnte man nicht darauf verzichten, diese auch für die DDR-Leser zu verlegen. Für die Kassandra-Ausgabe des Aufbau-Verlags setzte sie durch, dass die von der Zensur gestrichenen Passagen der darin enthaltenen »Frankfurter Poetik-Vorlesungen« mit Auslassungspunkten gekennzeichnet werden mussten. Die in der DDR gedruckten Auflagen ihrer Bücher reichten nie aus. Ich erinnere mich daran, dass wir in unserer kleinen Buchhandlung ganze 5 Exemplare des Titels »Störfall« über die Tschernobyl-Katastrophe zugeteilt bekamen. Zur Wende-Zeit arbeitete Christa Wolf im Untersuchungsausschuss zu den Übergriffen der Stasi auf Demonstranten im Oktober 1989 in Ostberlin mit. Sie war Mitinitiatorin des Aufrufs »Für unser Land«. Anfang der Neunzigerjahre kam es, wegen ihrer IM-Tätigkeit von 1959 bis 1962, zu einer vor allem in den westdeutschen Feuilletons geführten Kampagne gegen sie. In ihrem letzten Roman »Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud« sowie durch die Veröffentlichung ihrer gesamten IM-Akte setzte sie sich offensiv damit auseinander, litt aber seelisch und körperlich sehr stark darunter.

Ich habe zwar auch schon in den Achtzigerjahren Bücher von Christa Wolf gelesen, u. a. »Störfall«, »Sommerstück« und »Kassandra«, richtigen Zugang zu ihrem Werk fand ich aber erst 10 Jahre später nachdem ich »Kindheitsmuster« gelesen hatte. Seitdem gehört sie zu meinen Lieblingsschriftstellerinnen, von der ich fast alle Titel las. Am besten gefallen mir die autobiografisch geprägten Texte. Christa Wolfs Bücher gehören auch zu den wenigen, die ich mehrfach las und sicher immer wieder lesen werde.

IMG_20140414_134342Die Erzählung »August« hat mich so stark berührt und gerührt, weil sie mit so viel Liebe und Gefühl für diesen Jungen geschrieben ist. Augusts Schicksal ist sehr sehr traurig, denn es ist die Geschichte eines Kindes, dass durch den Krieg seine Eltern verloren hat. Aber durch einen glücklichen Zufall schafft August es, daran nicht zu zerbrechen. Das gibt viel Hoffung und zeigt auf ganz unspektakuläre Weise welche Bedeutung die Liebe für jedes Leben hat. Christa Wolf war 60 Jahre mit ihrem Mann verheiratet und nach allem, was ich darüber gelesen habe, scheint es eine sehr glückliche Ehe gewesen zu sein. Eine langjährige Beziehung in der Art, wie sie heute nicht mehr allzu häufig vorkommt, wo die Partner »kaum noch ich sagen –meistens wir.« Eine schönere Liebeserklärung als diese Erzählung hätte Christa Wolf ihrem Mann Gerhard gar nicht machen können.

 

 

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5 Gedanken zu “»August« von Christa Wolf – Verlosung zum Welttag des Buches

  1. Rene schreibt:

    Christa Wolf ist einfach eine Autorin aus dem Land und aus der Zeit, in der ich geboren wurde. Ich denke, nur über die Literatur kann man Land und Zeit entdecken.

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  2. Claudia schreibt:

    Ich bin immer begeistert von Christa Wolf. Aktuell lese ich „Ein Tag im neuen Jahrhundert“. August kenne ich noch nicht und daher hüpfe ich in den Lostopf!

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  3. frauzettelchen schreibt:

    Zu Christa Wolf habe ich auch erst sehr spät gefunden. Das mag sicher auch daran liegen, dass mein erstes Buch von ihr „Kein Ort. Nirgends“ war – das ich schon unzählige Male angefangen habe, aber bis heute nicht beendet habe, weil ich einfach keinen Zugang zu dem Text finde. Dafür haben mich aber „Ein Tag im Jahr im neuen Jahrhundert“, „Kindheitsmuster“ und „Nachruf auf Lebende“ wirklich begeistert. 🙂

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