Frohe Weihnachten

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Prag – Blick zur Karlsbrücke © Über den Kastanien

Nun war es monatelang ungewollt ganz still auf meinem Blog. Gern hätte ich über all die Bücher geschrieben, die ich in der Zwischenzeit gelesen habe. Die Texte dazu waren und sind noch in meinem Kopf, aber äußere Lebensereignisse raubten mir die innere Ruhe, die ich zum Schreiben brauche. Ich hoffe, dass ich bald wieder regelmäßig Beiträge veröffentlichen kann und bitte euch noch um ein bisschen Geduld.

Das folgende Gedicht schrieb Kurt Tucholsky 1913, dem letzten Friedensjahr vor dem ersten Weltkrieg. Das Zitat am Ende ist von Arthur Schnitzler: »Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug.« Schon vor über 100 Jahren war Weihnachten also auch schon ein Fest, an dem jeder so seine Rolle spielte, um den »Weihnachtsfrieden« nicht zu stören… Weiterlesen

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»Können Sie mir bitte helfen?« – Vom Buchhändlerblick, von schweigsamen Buchhändlern und den Erpressungsversuchen von Amazon

Neulich stand ich in unserer Stadtbibliothek mit einem Stapel Büchern vor einem Regal, da sprach mich von der Seite eine Frau, in der Bibliothekssprache wohl Nutzerin oder Leserin genannt, an und wollte von mir eine Auskunft haben. Leider musste ich das Missverständnis aufklären, aber gefreut hat es mich doch, dass ich nach über 20 Jahren, die ich nicht mehr als Buchhändlerin arbeite, immerhin für eine Bibliothekarin gehalten wurde. Weiterlesen

Ein Gemüsefeld namens Knolle, der Postbeamte Emil Pelle … oder warum ich jetzt auch Gartenbücher lese

Unser Feld im Juli 2014

Unser Feld im Juli 2014 © Über den Kastanien

Eine Sonnenblume vor blauem Himmel – so sah der Buchumschlag des dicken Gartenbuchs aus, von dem wir damals im »Haus des Buches« in Dresden mehrere Paletten pro Tag verkauften. Nicht nur die Nachfrage nach den Neuerscheinungen von Volker Braun, Christa Wolf, Christoph Hein, Erwin Strittmatter oder Tschingis Aitmatow war in der DDR groß, auch die sogenannten Hobbybücher waren heiß begehrt. An erster Stelle standen dabei Titel über Eisenbahnen, dicht gefolgt von Kochbüchern und eben allem, was es über Gartenarbeit gab. Solche Bücher eigneten sich auch prima als Tauschobjekt gegen Handwerkerleistungen zum Beispiel. Obwohl Koch- und Gartenbücher in der Regel in großen Auflagen gedruckt worden sind, waren sie schon nach wenigen Tagen vergriffen. Weiterlesen

(Montagsfrage) Was machst du mit deinen gelesenen Büchern?

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Obwohl schon Dienstag ist, möchte ich mich gern an der Montagsfrage beteiligen. Ich habe sie bei der Bücherphilosophin entdeckt. Nina von Libromanie hat sie ins Leben gerufen und es kann sich jeder noch bis zum Ende der Woche beteiligen.

IMG_20140303_154426Als ich die Frage las, fiel mir doch gleich wieder ein, dass ich immer noch Bücherstapel im Regal habe, die ich auf irgendeine Weise »loswerden« will.

In jedem Urlaub nutze ich begeistert die Hausbibliothek der Besitzer unserer italienischen Ferienwohnung. Dort gibt es zum Beispiel ganz viele Werkausgaben und umfangreiche Literatur zu bestimmten Themengebieten. Jedes Mal nach unseren Ferien möchte ich auch so eine schöne Buchsammlung aufbauen. Leider kommt es nie dazu, weil ich ja noch die vorhin erwähnten Stapel irgendwie loswerden muss. Weiterlesen

Bücherwahn oder nicht alle Give-aways sind ein Grund zum Ärgern

Eigentlich mag ich es ja nicht, wenn ich in einer Buchhandlung ungefragt ein sogenanntes Give-away mit in die Tüte gesteckt bekomme. Lesezeichen habe ich schon genug und Kataloge mit als Buchempfehlungen getarnten Anzeigen will ich sowieso nicht durchblättern. Sollte ich doch mal bei »Thalia« ein Buch kaufen, was sehr selten passiert, sage ich meistens, also nicht nur wegen des Umweltgedankens, dass ich keine Tüte möchte. Möglicherweise bringt das die Buchhändlerin oder den Buchhändler, die offensichtlich bei den großen Ketten dazu verpflichtet sind, nicht nur zusätzlich Nonbooks sondern auch Werbezeug zu vertreiben, in Verlegenheit. Aber vielleicht ändert sich mal etwas an dieser Praxis, wenn sich nicht jeder immer alles unkommentiert in die Tüte stecken lässt.

IMG_20140303_084210Bei unserem diesjährigen Weihnachtseinkauf in einer kleinen Buchhandlung haben wir allerdings mal eine wirklich schöne Zugabe in die Tüte bekommen. Eine Überraschung sozusagen, denn wir bemerkten nicht, dass der Buchhändler es uns mit in die Tasche gepackt hatte. Es handelt sich um eine attraktive Ausgabe von Gustave Flauberts erster Erzählung »Bücherwahn«. Offensichtlich wurden diese kleinen Broschüren vom Hanserverlag 2012 innerhalb einer Werbeaktion für Buchhandlungen vertrieben, die das Ziel hatte, für neu übersetzte Klassiker der Weltliteratur zu werben. Weiterlesen

Sommergefühl

IMG_20120729_152308Ich habe schon immer den Sommer geliebt. Vielleicht, weil ich an einem heißen Tag kurz vor Pfingsten geboren wurde. In den Sommern meiner Kindheit begann das Sommergefühl mit dem ersten morgendlichen Erwachen im Ostseeurlaub. Wir schauten aus dem Fenster und wenn entschieden wurde, dass heute Strandwetter sei, war der Tag gerettet. Strandwetter, das bedeutete endlos Buddeln im Sand, Kleckerburgen bauen und natürlich Baden im Meer: Weit raus schwimmen, möglichst bis zur Boje und stolz wieder zurück kommen gegen die Wellen ankämpfend, die mich immer wieder ein Stück zurück zogen. Am Strand war es voll, die Erwachsenen sonnten sich oder spielten Volleyball, überall tobten Kinder herum und der Geräuschpegel war ungefähr wie im Freibad. Wollte man Eis oder etwas zu trinken, musste man sich in endlose Schlangen einreihen. Am Schönsten war es, wenn wir über Mittag am Strand blieben und nicht zum Essen gingen. In den Ostseesommern meiner Kindheit war es immer heiß, nur selten war es mal kühl oder regnete gar. Dann zogen dichte Autokolonnen über die Insel bis nach Stralsund und das Sommergefühl war nicht mehr da.

Später waren es die Kiefernwälder in Mecklenburg, die ebenfalls dieses Sommergefühl auslösten. Sandige Wege, die wir mit dem Fahrrad befuhren, Sandboden nicht nur im Wald, sondern auch in den kleinen Dörfern, die keine befestigten Fußwege hatten. Zu dieser Zeit las ich wahrscheinlich gerade »Daniel Druskat« oder sah die Fernsehserie »Wege übers Land«, die zu dieser Landschaft passten. Als ich später »Sommerstück« von Christa Wolf las, wurde die Sehnsucht nach den mecklenburgischen Ferientagen wieder wach gerufen.

Sommer in der Stadt, das ist seit ein paar Jahren unser Balkon, auf dem Wiesenblumen blühen, dieses Jahr durch sogenannte Samenbomben ausgelöst. Das Schöne daran ist die Überraschung welche Blumen blühen werden: Kornblumen, Sonnenblumen oder ganz was anderes. Abends lässt der Verkehr auf dem Platz nach und es wird ruhig. Ich kann in die Wolken schauen und die Schwalben fliegen dicht über mir, auch so ein Sommergefühl, leider nur wenige Tage im Jahr.

Sommer in der Maremma, südliche Toskana: zwei Wochen Hitze, Zikadengeräusche, Fliegengesumme. Das ist der Favorit unter meinen Sommergefühlen seit letztem Jahr. Schon am Morgen ist es heiß und alle körperlichen Aktivitäten werden auf ein Mindestmaß reduziert. Am Besten ist es, an einem schattigen Platz zu lesen, nur unterbrochen von kurzen Mahlzeiten und dem hier gar nicht so lästigen Abwaschen. Überall liegen Katzen träge an schattigen Plätzen. Hühner laufen herum und der Hahn kräht, wenn er für seine Hennen etwas gescharrt hat. Beim Fressen lässt er ihnen, ganz Gentlemen, manchmal den Vortritt.

Wenn es am späten Nachmittag etwas kühler wird, fahren wir über Land, können uns nicht satt genug sehen an den Sonnenblumenfeldern, Pinien, Zypressen, den kleine Orten auf den grünen Hügeln. Ab und zu und viel seltener als im Chianti-Gebiet taucht ein vornehmes Anwesen an der Straße auf und wir träumen davon, so etwas zu besitzen…

Vorerst sind wir aber zufrieden mit einer einfachen Unterkunft auf einem Bauernhof mit hunderten Olivenbäumen, das ist schon Paradies genug. Das Meer ist ganz in der Nähe. An einem Strand mit schattigen Pinien haben wir unseren Lieblingsplatz gefunden. Das Wasser ist meist angenehm warm, an windigen Tagen dagegen kann es auch schon mal kühl sein, aber dann machen die Wellen Spaß. Die Insel Elba ist ganz deutlich zu sehen. Vor dreißig Jahren habe ich ganz begeistert die Napoleon-Biografie von Tarlé gelesen, da habe ich nicht einmal geahnt, dass ich mal so nah an der berühmten Verbannungsinsel sein werde.

Auf unseren kleinen Reisen durch die Maremma halten wir manchmal an einer Bar. Überall gibt es einen ausgezeichneten Espresso, noch die kleinste Bude besitzt eine teure Maschine. Wunderbar ist es auch in Caldana, dem Dorf auf einem Hügel in der Nähe »unseres« Hofes, Kaffee zu trinken. An den Nachbartischen spielen Jugendliche Karten, alte Männer sitzen schwatzend und rauchend im Schatten. Weil ich von unterschiedlichen Preisen gehört hatte, je nachdem ob man seinen Kaffee auf der Terrasse oder an der Bar trinkt, hatte ich beim ersten Mal schon Bedenken, es könnte teuer werden, weil wir gleich auf die Terrasse verwiesen worden sind. Inzwischen wissen wir, dass Kaffeetrinken irgendwie zum Lebensgefühl der Italiener gehört und außerhalb der touristischen Stätten im Gegensatz zu Deutschland nur einen symbolischen Preis hat.

Leider ist unser Sommer in der Toskana immer viel zu kurz, aber wenigstens für ein paar Wochen bleiben die Gelassenheit und die Freude an den einfachen Dingen des Lebens auch noch in Deutschland erhalten – bis der manchmal hektische Alltag und damit die Sehnsucht nach unserem kleinen Paradies wieder beginnt.