Feindbilder

fuer_fremde_alles_verboten

By Eva K. (Eva K.) [GFDL 1.2 (http://www.gnu.org/licenses/old-licenses/fdl-1.2.html) or FAL], via Wikimedia Commons

»Ein Andersartiger par excellence ist der Fremde, der Ausländer. Bereits in den römischen Flachreliefs erscheinen die Barbaren als bärtige und stumpfnasige Wesen, und schon die Bezeichnung »Barbaren« insinuiert ja bekanntlich einen Defekt in der Sprache und somit im Denken.
Doch von Anfang an werden nicht nur diejenigen Andersartigen, die uns direkt bedrohen (wie angeblich die Barbaren), als Feinde aufgebaut, sondern auch diejenigen, bei denen jemand ein Interesse daran hat, sie als bedrohlich hinzustellen, auch wenn sie uns nicht direkt bedrohen, mit der Folge, dass nicht so sehr ihre Bedrohlichkeit ihr Anderssein unterstreicht, sondern ihr Anderssein zum Zeichen ihrer Bedrohlichkeit wird….

Weiterlesen

Advertisements

Frohe Weihnachten

IMG_0498

Prag – Blick zur Karlsbrücke © Über den Kastanien

Nun war es monatelang ungewollt ganz still auf meinem Blog. Gern hätte ich über all die Bücher geschrieben, die ich in der Zwischenzeit gelesen habe. Die Texte dazu waren und sind noch in meinem Kopf, aber äußere Lebensereignisse raubten mir die innere Ruhe, die ich zum Schreiben brauche. Ich hoffe, dass ich bald wieder regelmäßig Beiträge veröffentlichen kann und bitte euch noch um ein bisschen Geduld.

Das folgende Gedicht schrieb Kurt Tucholsky 1913, dem letzten Friedensjahr vor dem ersten Weltkrieg. Das Zitat am Ende ist von Arthur Schnitzler: »Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug.« Schon vor über 100 Jahren war Weihnachten also auch schon ein Fest, an dem jeder so seine Rolle spielte, um den »Weihnachtsfrieden« nicht zu stören… Weiterlesen

Der letzte Urlaubstag

Ich bin schon für die Reise angezogen, zwischen mir und dem Mälarsee ist eine leise Fremdheit, wir sagen wieder Sie zueinander. (…)
Da steht Gripsholm. Warum bleiben wir eigentlich nicht immer hier? Man könnte sich zum Beispiel für lange Zeit hier einmieten, einen Vertrag mit der Schloßdame machen, das wäre bestimmt gar nicht so teuer, und dann für immer: blaue Luft, graue Luft, Sonne, Meeresatem, Fische und Grog – ewiger, ewiger Urlaub.
Nein, damit ist es nichts. Wenn man umzieht, ziehen die Sorgen nach. Ist man vier Wochen da, lacht man über alles – auch über die kleinen Unannehmlichkeiten. Sie gehen dich so schön nichts an. Ist man aber für immer da, dann muß man teilnehmen. Aus Kurt Tucholsky, Gesammelte Werke in 10 Bänden, Band 9, 1931, Schloß Gripsholm, Rowohlt Verlag, 1960

Weiterlesen

Hermann Hesse – Glück

Mit aller Pflicht und aller Moral und allen Geboten macht man einander selten glücklich, weil man sich selbst damit nicht glücklich macht. Wenn der Mensch »gut« sein kann, so kann er es nur, wenn er glücklich ist.

Aus »Hermann Hesse Lektüre für Minuten – Gedanken aus seinen Büchern und Briefen«, Suhrkamp-Verlag 2002, Herkunft des Zitats dort leider nur mit »aus Prosa und Feuilletons aus dem Nachlass« verzeichnet

Sonnenblumenfeld

Sonnenblumen auf unserem„Feld

EIN GUTES CAFÉ AN DER PLACE SAINT-MICHEL

Der Beginn von Hemingways Pariser Erinnerungen – Die redigierte postume Veröffentlichung, die Urfassung und zwei Übersetzungen ins Deutsche im Vergleich

»A Good Café on the Place St.-Michel
Then there was the bad weather. It would come in one day when the fall was over. We would have to shut the windows in the night against the rain and the cold wind would strip the leaves from the trees in the Place Contrescarpe. The leaves lay sodden in the rain and the wind drove the rain against the big green autobus at the terminal and the Café des Amateurs was crowded and the windows misted over from the heat and the smoke inside.« Aus »A Moveable Feast« von Ernest Hemingway, Ernest Hemingway Ltd., 1964

»Ein gutes Café auf der Place St-Michel
Dann war das schlechte Wetter da. Wenn der Herbst vorbei war, würde es von einem Tag zum anderen kommen. Nachts mußten wir die Fenster wegen des Regens schließen, und der kalte Wind würde die Blätter von den Bäumen der Place Contrescarpe abstreifen. Die Blätter lagen durchweicht im Regen, und der Wind trieb den Regen gegen den großen grünen Autobus an der Endstation, und das „Café des Amateurs“ war gedrängt voll, und von der Hitze und dem Rauch drinnen beschlugen die Fenster.« Aus »Paris–ein Fest fürs Leben« von Ernest Hemingway, Rowohlt Verlag, 1965, autorisierte Übersetzung aus dem Amerikanischen von Annemarie Horschitz-Horst

»A Good Café on the Place St.-Michel
Then there was the bad weather. It would come in one day when the fall was over. You would have to shut the windows in the night against the rain and the cold wind would strip the leaves from the trees in the Place Contrescarpe. The leaves lay sodden in the rain and the wind drove the rain against the big green autobus at the terminal and the Café des Amateurs was crowded and the windows misted over from the heat and the smoke inside.« Aus »A Moveable Feast. The Restored Edition«, Scribner´s, New York, 2009

»Ein gutes Café an der Place Saint-Michel
Dann begann das schlechte Wetter. Es kam eines Tages, als der Herbst vorbei war. Nachts musstest du wegen des Regens die Fenster geschlossen halten, und der kalte Wind streifte das Laub von den Bäumen auf der Place Contrescarpe. Die Blätter lagen durchnässt im Regen, und der Wind trieb den Regen gegen den großen grünen Autobus an der Endstation, und das Café des Amateurs war überfüllt, und drinnen beschlugen die Fenster von Wärme und Rauch.« Aus »Paris, ein Fest fürs Leben – A Moveable Feast. Die Urfassung«, Rowohlt Verlag, 2011, Übersetzung aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz

 

In den Cafés von Paris

Der Cafébesuch ist einem Tagesrhythmus unterworfen. Ein Kaffee mit Croissant im »Dôme« sorgt für die notwendige Energie, um sich am Vormittag dem Schreiben, einer Kunstvorlesung, einem Museumsbesuch oder Bankgeschäften zu widmen. Gegen ein Uhr mittags trifft man sich vielleicht mit einem Freund in der Brasserie »Lipp« zu einem Imbiss. Nach einem arbeitsreichen Nachmittag gönnt sich der Schriftsteller dann einen Apéritif im »Deux Magots«. … Irgendwann zwischen acht und neun Uhr abends findet man sich dann zusammen, um in einem kleinen Restaurant etwas essen zu gehen. Endlich beschließt man den Abend mit einem Kaffee im »Closerie des Lilas«.

Aus »Die literarischen Cafés von Paris« von Noël Riley Fitch, 1993 im Arche Verlag erschienen