Bruno Frank – Der Reisepaß

IMG_2293Ein vergessener Autor

Am 20. Juni 2015 hatte der 1887 in Stuttgart geborene Romanautor und Dramatiker Bruno Frank seinen 70. Todestag. Sein Werk, das bis zu seinem frühen Tod 1945 viel gelesen und aufgeführt wird, steht in der Tradition des literarischen Realismus des 19. Jahrhundert. Nach 1933 finden seine Bücher auch im englischsprachigen Raum viele Leser. Die Komödie »Der Sturm im Wasserglas« wird in England und in den USA zum Publikumsmagneten. In den 20er Jahren gehört Bruno Frank zu den bekanntesten deutschen Autoren, später macht er sich auch als Exilschriftsteller einen Namen. Charakteristisch für seine Werke sind ähnlich wie bei Remarque ein tief verankerter Humanismus, ein Mitleiden mit den Entrechteten und Unterdrückten sowie der Glaube an menschliche Vernunft und an das Recht aller Menschen in Würde und Freiheit zu leben.

Nach 1945 wurden einige seiner Bücher in Deutschland neu aufgelegt, aber die Resonanz darauf war eher zurückhaltend. Seit Anfang der 90er Jahre ist Bruno Frank komplett in Vergessenheit geraten. Gerade in den letzten Jahren widmeten sich Verlage verstärkt der Wiederentdeckung von Autoren, die in den 20er und 30er Jahren einen Namen hatten. Leider hat sich für das Werk Bruno Franks noch kein mutiger Verleger gefunden. Weiterlesen

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Es gibt keine Rückkehr aus dem Exil – Der Emigrant Remarque und »Die Nacht von Lissabon«

Ronco sopra Ascona (5)

Ronco sopra Ascona © Thomas Wenger  (5)

Erich Maria Remarque verließ Deutschland schon 1931. Er ging in die Schweiz, wo er in Ronco in der Nähe von Ascona eine Villa kaufte. Remarque war 1929 durch seinen Roman »Im Westen nichts Neues« innerhalb von kurzer Zeit zu einem weltweit bekannten Autor geworden. Das Buch hatte ihn, der aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammte, zu einem reichen Mann gemacht.

Die Weimarer Demokratie befand sich Anfang der dreißiger Jahre in Auflösung. Hitler und seine Sympathisanten bekamen immer mehr Einfluss auf die Politik. Straßenkämpfe zwischen Nazis und Kommunisten und das Elend der vielen arbeitslosen Menschen prägten das Bild Deutschlands. »Im Westen nichts Neues« geriet ganz unbeabsichtigt zwischen die politischen Fronten. Von links wurde der Autor angegriffen, weil das Buch einen deutlichen Klassenstandpunkt vermissen ließ und sich Remarque, auch weil der Ullstein-Verlag ihn aus werbestrategischen Gründen als unpolitisch »verkaufte«, kaum in die Diskussionen um seinen Roman einmischte. Von rechts wurde er attackiert, weil er mit seinem pazifistischen Buch angeblich das Ansehen der deutschen Weltkriegsteilnehmer beschmutzte. Weiterlesen

Erich Maria Remarque – Die Nacht von Lissabon

IMG_1860 (2)»Jedes Schiff, das in diesen Monaten des Jahres 1942 Europa verließ, war eine Arche. Der Berg Ararat war Amerika, und die Flut stieg täglich. Sie hatte Deutschland überschwemmt und stand tief in Polen und Prag; Amsterdam, Brüssel, Kopenhagen, Oslo und Paris waren bereits in ihr untergegangen, die Städte Italiens stanken nach ihr, und auch Spanien war nicht mehr sicher. Die Küste Portugals war die letzte Zuflucht geworden für die Flüchtlinge, denen Gerechtigkeit, Freiheit und Toleranz mehr bedeuteten als Heimat und Existenz. Wer von hier das gelobte Land Amerika nicht erreichen konnte, war verloren.« Zitat, Seite 5/6

Die europäischen Flüchtlingsströme zogen nach Kriegsbeginn immer weiter in den Südwesten Europas, um von dort aus nach Amerika zu gelangen. Die USA waren aber schon vor 1939 als Exilland begehrt. Es gab dort vergleichsweise gute Arbeitsmöglichkeiten und humanere Aufenthaltsbestimmungen als in den europäischen Nachbarstaaten Nazideutschlands. Für ein Einreisevisa wurde jedoch ein Bürge gebraucht, der garantierte, dass der Emigrant dem Staat finanziell nicht zur Last fiel. Außerdem hielten die USA noch nach 1939 an Einwanderquoten fest, als die Zahl der Menschen, die unmittelbar vom Tod bedroht waren wenn sie den Faschisten in die Hände fielen, stark anwuchs und die Lage der europäischen Flüchtlinge immer dramatischer wurde. Weiterlesen