»Hanas Koffer« – Eine Recherche – Teil I

Gegen das Vergessen

Hana Bradys Geschichte ist dank des Jugendbuches »Hanas Koffer«, geschrieben 2002 von der kanadischen Journalistin Karen Levine, um die Welt gegangen. Es erschien bisher in 40 Sprachen. Die deutsche Ausgabe gibt es seit 2003 im Ravensburger Verlag in einer Fassung der  Autorin und Übersetzerin Mirjam Pressler.

Sechs Millionen Menschen sind in Europa durch den Holocaust ums Leben gekommen. Eine unvorstellbar hohe Zahl, die aber abstrakt bleibt, wenn die Geschichten der betroffenen Menschen nicht erzählt werden. Über 70 Jahre nach dem Holocaust ist die Gefahr groß, dass diese schrecklichen Geschehnisse verharmlost, verleugnet oder aus dem kollektiven Gedächtnis langsam verschwinden könnten. Zeitzeugen wird es bald nicht mehr geben. Um so wichtiger ist es deshalb, dass die Biografien der Holocaustopfer dokumentiert und verbreitet werden.

Im Jahr 2014 begannen der Blogger Arndt Stroscher und die Malerin Peggy Steike ihr Projekt »Gegen das Vergessen«, mit dem sie schon in vielen Schulen und anderen Institutionen unterwegs waren. Ein Teil davon ist ein Koffer, der seit drei Jahren verliehen wird. Er enthält das Buch »Hanas Koffer« sowie sehr viel passendes Begleitmaterial, welches teilweise von den »Gastgebern« hinzu gefügt wurde. Jeder kann seine Gedanken zu Hanas Geschichte in einem beiliegenden »Erinnerungsbuch« aufschreiben. Ich habe bei diesem Projekt sehr gern mitgemacht.

Hanas Geschichte Weiterlesen

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Briefe eines Überlebenden

In den Jahren 1940 bis 1945 wurden in die Konzentrationslager Auschwitz mindestens 1,1 Millionen Juden, 140.000 Polen, 20.000 Sinti und Roma sowie mehr als 10.000 sowjetische Kriegsgefangene deportiert. Knapp über 400.000 Häftlinge wurden registriert. Von den registrierten Häftlingen sind mehr als die Hälfte aufgrund der Arbeitsbedingungen, Hunger, Krankheiten, medizinischen Versuchen und Exekutionen gestorben. Die nicht registrierten 900.000 nach Birkenau Deportierten wurden kurz nach der Ankunft ermordet. Als Obergrenze der Todesopfer im Konzentrationslager- und Vernichtungslagerkomplex Auschwitz wird die Zahl von 1,5 Millionen Opfern angegeben. (aus Wikipedia)

Heute vor 70 Jahren wurde das KZ Auschwitz durch sowjetische Truppen befreit. Zu den 8.000 befreiten Menschen gehörte auch Otto Frank, der Vater von Anne, deren Tagebuch weltberühmt wurde.

Am 23. Feburar 1945 schickte er seiner Mutter aus Auschwitz ein erstes Lebenszeichen. Auf die Rückseite eines Formulars mit Anordnungen des Lagerkommandanten schrieb er: Weiterlesen

Der Abbruch der Schweigemauer

Gedanken über Alice Miller und das Buch ihres Sohnes

Alice Millers Buch »Das Drama des begabten Kindes« , 1979 das erste Mal erschienen, ist ein in 30 Sprachen übersetzter internationaler Bestseller. Beeinflusst von den Ideen des englischen Kinderarztes und Analytikers Donald W. Winnicott, dem britischen Kinderarzt und Psychiater John Bowlby sowie dem US-amerikanischen Analytiker Heinz Kohut analysierte sie darin gängige Erziehungsmethoden, die dazu führen, dass Kinder die emotionalen Bedürfnisse ihrer Eltern befriedigen und es ihnen so nicht möglich ist, ihre eigene Originalität zu entwickeln. Alice Miller, die bis Ende der siebziger Jahre selbst als Psychoanalytikerin in der Schweiz arbeitete, wollte den Grundgedanken dieses Buches ursprünglich in einem Artikel im offiziellen Organ der Psychoanalyse, der Zeitschrift »Psyche«, veröffentlichen. Allerdings wurde der Text als unwissenschaftlich und unpassend zur Theorie der Psychoanalyse abgelehnt.

Ich las »Das Drama des begabten Kindes« vor etwa 15 Jahren Weiterlesen

Das Kriegstagebuch der Ingeborg Bachmann

»Das ist der schönste Sommer meines Lebens, und wenn ich hundert Jahre alt werde – das wird der schönste Frühling und Sommer bleiben.«

Das schreibt die achtzehnjährige Ingeborg Bachmann im Frühsommer 1945 in ihr Tagebuch. Anders als die meisten Gleichaltrigen, die durch die jahrelange Naziideologie indoktriniert und eher desillusioniert sind,  begrüßt sie den Frieden und die damit für sie verbundenen neuen Möglichkeiten der Freiheit mit tiefer Freude. Das mag auch daran gelegen haben, dass sie sich gerade in den britischen Soldaten Jack Hamesh verliebt hatte, aber das scheint nicht der einzige Grund für diesen Gefühlsausbruch gewesen zu sein.

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Die Banalität des Bösen

Gedanken über Hannah Arendt

In den Achtzigerjahren habe ich in Dresden »Bruder Eichmann« von Heinar Kipphardt im Theater gesehen und kann mich noch gut erinnern, wie wir über den Schreibtischtäter Adolf Eichmann diskutiert haben. Bis dahin wusste ich über den im Stück thematisierten Prozess in Israel nichts. Von Hannah Arendt hörte ich nach der Wende zum ersten Mal.

Die Motive des Adolf Eichmann

Vor einem Jahr sah ich den Kinofilm über sie und im Sommer las ich die Biografie von Alois Prinz »Hannah Arendt oder die Liebe zur Welt«. Seitdem beschäftigt mich ihre These über Eichmann, die mit Weiterlesen