»Paris, ein Fest fürs Leben« – Gedanken zum Umgang mit einem Manuskript

»Ernest begann im Herbst 1957 auf Kuba mit der Niederschrift dieses Buches, arbeitete daran im Winter 1958/59 in Ketchum, Idaho, und nahm es mit, als wir im April 1959 nach Spanien fuhren…Er beendete das Buch im Frühjahr 1960 in Kuba … Er überarbeitete das Buch im Herbst 1960 in Ketchum. Es behandelt die Jahre 1921 bis 1926 in Paris.« Mary Hemingway in einer Vorbemerkung in der postum veröffentlichten Ausgabe von »Paris, ein Fest fürs Leben« von Ernest Hemingway, 1964 bei Scribner, New York erschienen und in der deutschen Übersetzung 1965 im Rowohlt Verlag

Jahrzehntelang glaubten die Leser von Hemingways bekanntestem Buch »Paris, ein Fest fürs Leben« (englischer Originaltitel »A Moveable Feast«) ein von ihm autorisiertes abgeschlossenes Werk vor sich zu haben. Bei genauerem Lesen der editorischen Notiz von Hemingways Witwe könnten zwar schon leichte Zweifel aufgetreten sein, ob das Manuskript wirklich schon abgeschlossen war. Immerhin erwähnte sie noch eine Überarbeitung im Herbst 1960. Man könnte es auch als offen betrachten, ob diese dann zur endgültigen Fassung führte oder nur ein Entwurf blieb.

IMG_20140617_163126Dem Leser blieb jedoch bis 2009, als die Neufassung des Buches mit dem Titel »A Moveable Feast.The Restored Edition« erschien, verborgen, was durch die Hemingway-Forschung schon seit den achtziger Jahren bekannt war: Die berühmten Erinnerungen Hemingways an seine Anfänge als Schriftsteller in Paris waren ein Fragment geblieben. Weiterlesen

Heimliche Freuden

»Heimliche Freuden« ist eine von Hemingways »Pariser Skizzen«, die im Anhang der sogenannten Urfassung von »Paris, ein Fest fürs Leben« enthalten sind. Es handelt sich dabei um Kapitel, die entweder unvollständig und/oder in verschiedenen Fassungen im Nachlass des Autors gefunden wurden. Einige dieser Skizzen hatte Hemingway auch verworfen. Bei anderen war er sich noch nicht sicher, ob er sie veröffentlichen wollte. Möglicherweise gehörte der Text »Heimliche Freuden« zu dieser letzten Kategorie. Weiterlesen

In den Cafés von Paris

Der Cafébesuch ist einem Tagesrhythmus unterworfen. Ein Kaffee mit Croissant im »Dôme« sorgt für die notwendige Energie, um sich am Vormittag dem Schreiben, einer Kunstvorlesung, einem Museumsbesuch oder Bankgeschäften zu widmen. Gegen ein Uhr mittags trifft man sich vielleicht mit einem Freund in der Brasserie »Lipp« zu einem Imbiss. Nach einem arbeitsreichen Nachmittag gönnt sich der Schriftsteller dann einen Apéritif im »Deux Magots«. … Irgendwann zwischen acht und neun Uhr abends findet man sich dann zusammen, um in einem kleinen Restaurant etwas essen zu gehen. Endlich beschließt man den Abend mit einem Kaffee im »Closerie des Lilas«.

Aus »Die literarischen Cafés von Paris« von Noël Riley Fitch, 1993 im Arche Verlag erschienen